Donnerstag, 29. September 2022
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Habecks kleine Marktwirtschaft: „Die energieeffiziente fossilfreie Bäckerei!

Habecks kleine Marktwirtschaft:

Glosse: Michael Springer

Die Aufregung um Äußerungen von Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck in der Sendung Maischberger schlägt weiter hohe Wellen.

Robert Habeck sagte sinngemäß, dass bestimmte Branchen bei zu hohen Energiekosten „erstmal aufhören zu produzieren,“ und nannte dabei auch das Bäckerhandwerk, das bald in Berlin sein 720-jähriges Innungsjubiläum begehen wird.
Habeck ordnete dies auch gleich ein, es sind also „Läden, die darauf angewiesen sind, dass die Menschen Geld ausgeben.“

Derartige Betriebe hätten wegen der Kaufzurückhaltung wirkliche Probleme. „Dann sind die nicht insolvent automatisch, aber sie hören vielleicht auf zu verkaufen“, so Habeck. Insolvenz müssten Firmen erst dann anmelden, wenn sie „mit der Arbeit ein immer größeres Minus“ machten.

Leider hatte Sandra Maischberger keine Zeit, Alternativen zu diskutieren, wie handwerkliche Bäckereien wirtschaftlich durch „Aufhören“ dennoch überleben können. Die Bäcker reagierten überwiegend empört, dann die Energiekosten gehen in Deutschland ungesteuert und ohne kluge Marktregulierung durch die Decke. Viele Betriebe sind akut gefährdet — europäische Nachbarn haben eine sozialere und durchdachtere Energiepolitik. — Alle sind gefordert – Politik und Wirtschaft und das Bäckerhandwerk.

Nachhaltigkeit und Marktwirtschaft – kein Gegensatz

Hier kommt nun das erste rettende Geschäftsmodell aus „Habecks kleiner Marktwirtschaft“:

Ist das russisches Gas als Ressource zu teuer, helfen ukrainische Ressourcen und Personal, die Lücken in der handwerklichen Wertschöpfungskette schließen:

  • Ukrainisches Weizenmehl und ukrainische Backrezepte sind derzeit gefragt wie noch nie.
  • Das Wissen um ukrainische Backkunst kann als eigenständiges Produkt verstanden werden. Der nachhaltige Bäcker liefert das Rezept und die frischen Zutaten als „Palyanytsya Brot“ in einer Back-Box per eCommerce und Lieferservice aus.
  • Der gut geknetete Teigball reift in der Verpackung und kann beim Kunden selbst fertig gebacken werden. Der Bäcker spart mit jeder Direkt-Auslieferung Energie, kann sogar CO2-Gutschriften erwirtschaften. Ein gutes Nebengeschäft bei steigenden CO2-Preisen entsteht.
  • Handwerkliche Werkzeuge zum Backen sind neu im Waren-Sortiment: Mörser zum Mahlen, Arbeitsbretter, Teigrollen, Schaber, Brotbacktöpfe. Alle Backzutaten und Gewürze für traditionelle Rezepte kommen neu in das Verkaufsprogramm.
  • Eine Backfibel mit Rezepten wird mit Anzeigenwerbung und Spendenaufrufen für mildtätige Projekte finanziert und verkauft.
  • Ukrainische Geflüchtete optimieren ehrenamtlich die erste Produktionsserie der Back-Boxen.
  • In der Übungs- und Schaubäckerei gibt es Backkurse. Kursgebühren sorgen für Einnahmen.
  • Der eigene Ofen bleibt über Winter aus, Energie und Heizenergie wird ganz groß gespart.
  • Freiwerdende Backzeit des Personals wird sinnvoll genutzt. Eine Energie-Effizienz-Förderung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wird beantragt.
  • Beratung, Schulung und Modernisierungsmaßnahmen helfen die Zeit zu überbrücken.
  • Ein nachdrücklicher Bitt-Brief wird an den übergeordneten Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck geschreiben, mit Bitte um schnelle und effiziente Genehmigung.
  • Energiesparende Arbeitsorganisation in der Backstube, Kaltbackprodukte zuerst backen, Ofentüren immer gleich schließen, Backfläche voll nutzen, usw.
  • Es gilt den Backofen zu modernisieren, um in Frühjahr neu starten zu können.
  • Frühjahrsstart mit einer genialen Marketing-Aktion: „Tausche Brötchen gegen Energiegeld!“

Fast alle Kunden sehnen sich nach einer Auszeit mit mühevollen Selberbacken wieder nach frisch gebackenen Bäckerbrötchen, Schrippen, Wecken, Semmeln, Rundstücken und alle anderen beliebten, wohlschmeckenden, handwerklichen Bäckerprodukten. Die Trennung von Brötchenpreis und Energiepreis wird künftig akzeptiert, eine neue Kultur der Preisbildung setzt ein.

Ökologisch und nachhaltig denkende Kunden wählen künftig zwischen „Brot zum Selberbacken aus der Brot-Box“ oder dem handwerklich hergestellten Brot und Brötchen, des traditionellen und stets sehr erfindungsreichen Bäckerhandwerks.