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Vor 65 Jahren: die wichtigste historische Rede zur Pressefreiheit!

John F. Kennedy

Am 27. April 1961 wurde im Waldorf-Astoria Hotel in New York City die wohl historisch bedeutsamste Rede zu Pressefreiheit gehalten: „The President and the Press: Address before the American Newspaper Publishers Association“ — „Der Präsident und die Presse: Rede vor der American Newspaper Publishers Association.“
Es war eine Rede, die Prasident John F. Kennedy berühmt machte und seitdem wohl allen angehenden Journalisten als leuchtendes Beispiel zur Kenntnis geben wird. Es war auch eine Rede, die an die große Verantwortung der Verleger erinnert, die mit ihrem täglichen Handeln auch den Verlauf der Geschichte bestimmen.
J.F. Kennedy leitete seine Rede mit einem denkwürdigen Grußwort ein, nach der Grußformel kam er zur Sache:

„Sie tragen heutzutage eine große Verantwortung, und ein Artikel, den ich vor einiger Zeit gelesen habe, erinnerte mich daran, wie besonders schwer die Lasten der aktuellen Ereignisse auf Ihrem Berufsstand lasten.

Sie erinnern sich vielleicht daran, dass die New York Herald Tribune im Jahr 1851 unter der Schirmherrschaft und Herausgeberschaft von Horace Greeley einen unbekannten Journalisten namens Karl Marx als Londoner Korrespondenten beschäftigte.

Man erzählt sich, dass der Auslandskorrespondent Marx, mittellos und mit einer kranken und unterernährten Familie, ständig bei Greeley und dem Chefredakteur Charles Dana um eine Erhöhung seines großzügigen Gehalts von 5 Dollar pro Rate bat, ein Gehalt, das er und Engels undankbar als „miessten kleinbürgerlichen Betrug“ bezeichneten.

Als jedoch alle seine finanziellen Bitten abgelehnt wurden, suchte Marx nach anderen Möglichkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und Ruhm zu erlangen. Schließlich beendete er seine Zusammenarbeit mit der Tribune und widmete seine Talente fortan voll und ganz der Sache, die der Welt die Saat des Leninismus, Stalinismus, der Revolution und des Kalten Krieges hinterlassen sollte.“

Heute, 175 Jahre nach dieser historischen Begebenheit, müssen wir uns fragen, ob diese falsche Sparsamkeit, um nicht „Geiz & Gier“ zu sagen, die Zeitläufte extrem verändert hat?

Kennedy fuhr fort: „Hätte diese kapitalistische New Yorker Zeitung ihn nur freundlicher behandelt; wäre Marx nur Auslandskorrespondent geblieben, wäre die Geschichte vielleicht anders verlaufen. Und ich hoffe, alle Verleger werden sich diese Lehre zu Herzen nehmen, wenn sie das nächste Mal von einem unbekannten Journalisten in verzweifelter Not eine kleine Erhöhung seines Spesenkontos fordern.“

Im Jahre 2026 soll kein spekulativer Rückblick auf vergangene Revolutionen, Bürgerkriege und Weltkriege unternommen werden. Aber die historische Begebenheit zur New York Herald Tribune verdeutlicht, welche hohe Verantwortung im Verlagswesen und im Journalismus zu tragen sind.

Die Rede: „Der Präsident und die Presse“

Das zentrale Thema der Rede ist das Verhältnis von Pflicht und Macht . Dies wird durch den starken Einsatz von Gegenüberstellungen im ersten Teil der Rede unterstrichen: „… Der Mensch hält in seinen sterblichen Händen die Macht, alle Formen menschlicher Armut und alle Formen menschlichen Lebens abzuschaffen.“

Das Hauptanliegen von John F. Kennedy war es, die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten im Angesicht der Herausforderungen des damals eskalierenden Kalten Krieges zu demonstrieren.

Die Rede war aber auch ein Appell an die journalistische Selbstdisziplin: Der Präsident bat die Pressevertreter, bei sensiblen Informationen zusätzliche Maßstäbe anzulegen. Statt sich nur zu fragen „Ist das eine Nachricht?“, sollten Journalisten auch prüfen: „Ist es im Interesse der nationalen Sicherheit?“. Er verwies darauf, dass Gegner der USA Informationen über militärische Stärken und Geheimoperationen einfach aus Zeitungen entnehmen könnten .Schutz der Pressefreiheit: Trotz seines Appells zur Zurückhaltung versicherte Kennedy, dass seine Regierung keine Zensur einführen werde. Er erklärte, dass keine Republik ohne Debatte und Kritik überleben könne.

John F. Kennedy sagte weiter: „Ohne Debatte, ohne Kritik kann keine Regierung und kein Land Erfolg haben – und keine Republik überleben. Deshalb erklärte der athenische Gesetzgeber Solon es zum Verbrechen, wenn ein Bürger vor Kontroversen zurückschreckte. Und deshalb wurde unsere Presse durch den Ersten Verfassungszusatz geschützt – als einziges Unternehmen in Amerika, das ausdrücklich durch die Verfassung geschützt ist – nicht in erster Linie, um zu amüsieren und zu unterhalten, nicht, um das Triviale und Sentimentale zu betonen, nicht, um einfach „der Öffentlichkeit zu geben, was sie will“ –, sondern um zu informieren, aufzurütteln, zum Nachdenken anzuregen, unsere Gefahren und Chancen aufzuzeigen, unsere Krisen und Entscheidungen zu verdeutlichen, die öffentliche Meinung zu lenken, zu formen, zu bilden und manchmal sogar zu provozieren.

Weltoffenheit und offener Nachrichtenfluss

Kennedy bekannte sich auch zur Informationsfreiheit und Pressefreiheit: „Das bedeutet eine umfassendere Berichterstattung und Analyse internationaler Nachrichten – denn sie sind nicht länger fern und fremd, sondern nah und lokal. Es bedeutet mehr Aufmerksamkeit für ein besseres Verständnis der Nachrichten sowie eine verbesserte Übermittlung. Und es bedeutet letztlich, dass die Regierung auf allen Ebenen ihrer Verpflichtung nachkommen muss, Ihnen über die engsten Grenzen der nationalen Sicherheit hinaus die umfassendsten Informationen bereitzustellen – und das werden wir auch tun.“

Die Rede ist auf der Internetseite des „John F. Kennedy Presidential Library and Museum archiviert und kann auch auf YouTube


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