Samstag, 14. Dezember 2019
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Dževad Karahasan: „Ein Haus für die Müden“

Sarajevo mit Miljacka-Fluss

Das neue Buch des bekannten bosnischen Autors ist eine Sammlung aus fünf Geschichten. Sie erzählen vom alt werden, von Liebe und Verlust, von Fortschritt und Erinnerung. Umgeben von einsamen, majestätischen Landschaften, spüren die Helden Karahasans, dass eine Zeit anbricht, in der sie keinen Platz mehr in der Welt haben. Sie reagieren und verweigern sich diesem sich wandelnden Lebensraum. Sie ziehen sich zurück in ihre eigene Vergangenheit, die ihnen wohlgesonnen war. Als trotzige Weltverweigerer bestehen sie auf ihr Recht, zu träumen, zu trauern und müde zu sein.

Die fünf Geschichten handeln in Sarajewo, September 1914. In einer Zeitungsredaktion treffen Briefe mit großer Verspätung ein. Auch andere offizielle Stellen sind betroffen, einige Briefe kommen Jahre zu spät zu ihren Adressaten. Es ist aber nicht der beginnende Krieg an sich, der die Postwege unterbrochen hat. Es ist ein verliebter Briefträger, der kurz zuvor auf dem Schlachtfeld gefallen ist.

Themen wie diese, von nicht zugestellten Briefen, weil Tod und Weltgeschichte in eine individuelles Leben eingreifen, tauchen in Karahasans neuem Buch „Ein Haus für die Müden“ immer wieder auf. Sein weit ausschwingender Stil, sein hintergründiger Humor und seine mystisch-phantastischen Anwandlungen tauchen seine Geschichten in die faszinierende und dramatische Welt des einzelnen Individuums. Der Autor hält inne und führt den Leser dorthin, wo ein Teil der Welt seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Geschwindigkeit bewahrt hat. Aus dieser Perspektive schaut er auf die Hektik und die Schnelligkeit, die die Protagonisten seiner Erzählungen umgeben und erleben.

Über den Autor
Dževad Karahasan wurde 1953 in Duvno, einem Teil Jugoslawiens geboren, der heute zu Bosnien gehört. Der Erzähler, Dramatiker und Essayist hat sich lange Zeit dem Thema der Belagerung Sarjevos gewidmet. Mit seinen Geschichten dazu hat er Weltruhm erlangt. Sein Werk „Tagebuch der Aussiedlung“, das er 1993 publizierte, wurde in zehn Sprachen übersetzt. Für den Essayband „Das Buch der Gärten“ erhielt er 2004 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

In diesem Jahr erhält Dževad Karahasan den Jeanette Schocken Preis. Die Preisverleihung findet am 12. Mai 2019 im Historischen Museum Bremerhaven statt.

Das Buch ist auf der ORF-Bestenliste: »[Karahasan] hilft auch seinen Leserinnen und Lesern [die Welt von heute zu verstehen – ] mit intellektueller Neugier, erzählerischer Kraft und Weisheit.«


Dževad Karahasan: Ein Haus für die Müden
Fünf Geschichten
Gebunden, 239 Seiten | 1. Auflage: 14.01.2019 | Surkamp Verlag | ISBN: 978-3-518-42833-7 | Preis: 24 € | Buch bestellen


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