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Wikipedia-Gründer Jimmy Wales warnt vor Verlust von Lokalmedien.

Jimmy Wales

Die Medienkrise bedroht die Demokratie,so warnte Wikipedia-Gründer Jimmy Wales auf der DLD-Innovationskonferenz-Konferenz am Montag in München. Ihm mache vor allem das Sterben des Lokaljournalismus in den USA und anderen westlichen Ländern Sorgen. Ohne die kontrollierende Funktion der Medien vor Ort gehe das Vertrauen in die demokratischen Institutionen verloren. Eine Folge sei die unmittelbare Zunahme von Korruption: „Wenn es keinen lokalen Journalismus mehr gibt, ist es gut, Schwager des Bürgermeisters zu sein und eine Baufirma zu haben“, sagte Wales der Deutschen Presse-Agentur.

am Montag am Rande der Innovationskonferenz DLD in München.. Wales sieht die zunehmende Zahlungsbereitschaft der Nutzer als Hoffnungsschimmer, warnt aber auch, eine höhere Abhängigkeit von digitalen Aboerlösen könnte dazu führen, dass Redaktionen schreiben, was ihren Lesern gefällt und in ihr Weltbild passt.

Nordbayern, der Online-Informationsdienst der Nürnberger Nachrichten zitierte Jimmy Wales:

Wenn die Abo-Zahlungen der Leser in Zukunft die einzige belastbare Einkommensquelle seien, steige die Gefahr, nur Inhalte zu produzieren, die ins Weltbild der Kunden passten. Unbequeme Wahrheiten, die auch für die politische Meinungsbildung wichtig seien, könnten es dann schwerer haben. Die Entwicklung belastbarerer Geschäftsmodelle für die Nachrichtenmedien sei dringlicher denn je. Nur dann sei es möglich, auch wieder Investoren zu gewinnen, die bereit seien, in journalistische Qualität zu investieren. Von öffentlichen Subventionen hält Wales dabei genauso wenig wie von philanthropischen Modellen. Am Ende sei es egal, ob die Bürger ihre Nachrichten vom Bürgermeister und aus dem Etat der lokalen Verwaltung bekämen oder vom „lokalen Milliardär“, der die Zeitung kaufe. Beide Wege seien falsch.

Wales ist auch Kritiker werbefinanzierter Geschäftsmodelle im Netz. Er lobt die Bemühungen von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, ihre digitalen Aboerlöse zu steigern. Die aktuelle Nachricht, dass die „New York Times“ mittlerweile auf fünf Millionen zahlende Nutzer komme, sei ein Hoffnungszeichen für die gesamte Nachrichtenbranche. Doch Wales warnt im gleichen Atemzug, wie die Salzburger Nachrichten berichten:

Diese Strategie dürfe aber nicht zu Gefälligkeitsjournalismus führen. Wenn die Abo-Zahlungen der Leser in Zukunft die einzige belastbare Einkommensquelle seien, steige die Gefahr, nur Inhalte zu produzieren, die ins Weltbild der Kunden passten. Unbequeme Wahrheiten, die auch für die politische Meinungsbildung wichtig seien, könnten es dann schwerer haben.

Neues Online-Netzwerk WT.Social (WikiTribune Social)

Wales nutzte auch die Gelegenheit, sein neues Online-Netzwerk WT.Social (WikiTribune Social) vorzustellen. In weniger als drei Monaten hat es fast eine halbe Million Nutzer gewonnen. Wales sagte, es sei „in seiner heutigen Form eher ein direkter Konkurrent für Twitter als für Facebook“. Mit dem Netzwerk wolle er eine werbefreie Alternative zum auf Anzeigen basierenden Geschäftsmodell der heutigen Platzhirsche wie Facebook bieten, sagte Wales.

Drastisch äußerte ers sich auch zu den Perspektiven der großen Plattformen wie Facebook: „Wenn die Öffentlichkeit überzeugt ist, dass dein Geschäftsmodell die westliche Zivilisation zerstört, ist es ein langfristiges Problem für die Marke.“

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