Von Michael Springer
Am 29.04.2026 verkündete die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Bauen und Facility Management, Camilla Schuler (Die Linke) eine „Revival des Plattenbau-Sozialismus“, der vor allem Modulbauten neu ins Stadtbild bringen soll. Das klang so: „Lichtenberg setzt auf den „Wohnungsbau-Turbo“, um dringend benötigten Wohnraum schneller zu schaffen. Seit Oktober 2025 ermöglicht dieses Instrument Kommunen, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Bauprojekte zügiger umzusetzen. Der Bezirk nutzt die erweiterten Handlungsspielräume gezielt – jedoch nicht ohne klare Vorgaben. Der „Wohnungsbau-Turbo“ ist kein Freibrief, sondern ein Werkzeug mit städtebaulicher Weitsicht: Neue Wohnungen sollen zügiger entstehen und langfristig zur Lebensqualität beitragen. Die Anwendung dieses Instruments folgt daher klaren Prinzipien“.
Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Bauen und Facility Management, Camilla Schuler (Die Linke) sagte dazu: „Lichtenberg baut schnell, aber nicht auf Kosten der Qualität. Mir ist wichtig, dass neue Projekte gut vernetzt, klimafreundlich und sozial ausgewogen sind. Wenn wir gemeinsam an sinnvollen Wohnungen arbeiten, profitiert die gesamte Nachbarschaft. Schnelligkeit soll dabei Hand in Hand gehen mit guter Planung und Transparenz.“
Mehrere Projekte in Lichtenberg mit 2.000 Wohnungen
Derzeit wird der „Wohnungsbau-Turbo“ bei mehreren Projekten im Bezirk angewandt. Durch das beschleunigte Verfahren wird die Umsetzung vorangetrieben, ohne städtebauliche und soziale Standards zu vernachlässigen. Insgesamt sind bei den aktuellen „Wohnungsbau-Turbo“-Projekten rund 2.000 Wohnungen vorgesehen.
Gezielt eingesetzt, bringt der Wohnungsbau-Turbo viele Vorteile: Während Projektentwickler von kürzeren Genehmigungszeiten und mehr Planungssicherheit profitieren, gewinnen Bürgerinnen und Bürger schneller Zugang zu qualitätsvollem Wohnraum mit guter Infrastruktur.
Bei allen Planungen bleiben Qualitätsstandards zentral. Für größere Vorhaben sichern städtebauliche Verträge gemeinwohlorientierte Aspekte wie bezahlbaren Wohnraum und Gemeinschaftsflächen. So entstehen Quartiere, die Lebensqualität bieten und sich harmonisch ins Stadtgefüge fügen.
Stadtentwicklung braucht Synergien mit Arbeiten & Wohnen
Der Bauturbo ist in Lichtenberg nur wenig sinnvoll, weil die Struktur der „Mieterstadt“ fortgeschrieben wird, das kreditfinanzierten Wohnungsbau, Projektentwickler und große Immobiliengesellschaften begünstigt, jedoch mit weiteren Belastungen der Sozialetats für Wohngeld und Grundsicherung und langfristigen Zinszahlungen.
Die volkswirtschaftliche Wertschöpfung und Nachhaltigkeit müssen in Berlin gestärkt werden, das geht nur, wenn auch Einkommen und Erwerb gestärkt werden.
Die gemischte Bau- und Eigentümer-Struktur der Berliner Gründerzeitviertel mit sozialen Wohnanteilen hat Berlin seit Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgreich wachsen lassen, und breiten Wohlstand erzeugt. Denn auch Eigeninteressen und Eigenkapitalinvestitionen wurden angezogen. Angesichts der Berliner Finanz- und Strukturkrise müssen mehr Synergien zwischen Wohnen, Arbeiten, Leben und Infrastruktur geschaffen werden. Zudem muss es mehr generationenbezogene Wohnformen geben, die junge Menschen und Familien in der Stadt halten.
Dazu sollte es auch Baugruppen, Selbstbaugenossenschaften und Gewerbehof- und Loftprojekte geben, die neue Firmengründungen und Architektur-Projekte in die Stadt holen.
Im Zuge des demographischen Wandels sollte es daher auch EU-weite Ausschreibungen für Grund und Boden und Bauprojekte geben, um die Anziehungskraft des Wirtschaftsstandorte zu stärken-
Baurechtlich müssen dabei auch kleinere Grundstücksparzellen direkt an Eigenkapital-Investitionsprojekte vergeben werden, um Fremdkapitalanteile und Baukosten zu minimieren.
Und genau hier entstehen auch neue Chancen, für eine künftige Internationale Bauausstellung, die auch neue zeitgemäße Baukunst statt Modulbauformen entstehen lässt.
