Mittwoch, 01. Dezember 2021
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rockhouse.berlin – Betreiberwechsel im Januar 2022

Das Berliner Rockhaus


Nach monatelangen Verhandlungen gibt der langjährige Betreiber des Saals im rockhouse.berlin auf. Für rund 1.000 droht nun der Verlust ihres wichtigsten Veranstaltungsortes.

Der langjährige Betreiber des Saals im rockhouse.berlin, Wolfgang Werfel, hat seinen Vertrag zum 31. Januar 2022 gekündigt — nach einer monatelangen Hängepartie um die zukünftige Nutzung und Miethöhen.

Die GSE Gesellschaft für StadtEntwicklung gemeinnützige GmbH ( GSE gGmbH ), ein im Auftrag des Landes Berlin agierender Treuhänder, entwickelt Projekte zur Förderung von Jugendhilfe, Wohlfahrtspflege, Kunst & Kultur, Gesundheit & Sport.

Die GSE gGmbH wurde von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa als Treuhänder für Kultur gebeten, mit dem Eigentümer einen Generalmietvertrag, beginnend mit dem 01.07.2019 mit einer Festlaufzeit von 20 Jahren, abzuschließen. In diesem Vertrag wird geregelt, dass die GSE für die gesamte Bewirtschaftung einschließlich der Instandhaltung und Instandsetzung verantwortlich sein wird.

Der im allgemeinen Interesse des Landes agierende Träger managt und verwaltet in Berlin viele bekannte Atelier- und Kulturstandorte, achtet gleichwohl auf wirtschaftliche Tragfähigkeit und bauliche Substanzentwicklung.

Die GSE gGmbH plant offenbar eine Neuvermietung des für die Musiker*innen so wichtigen Saals im Proberaumhaus in Lichtenberg.

Im Januar 2021 erlangten einige Mieter*innen des rockhouse.berlin Kenntnis davon, dass die GSE gGmbH eine Neuvermietung des Saales, verbunden mit einer Nutzungsänderung anstrebt. Der Mieterbeirat des rockhouse.berlin hat sich von Beginn an klar gegen eine damit verbundene Verdrängung des langjährigen Betreibers des Saals ausgesprochen.

Das ehemalige Bürogebäude aus DDR-Zeiten in der Buchberger Str. 6 hat eine wechselvolle Geschichte. Nach der Wende ging das Gebäude in den Besitz der Telekom über. Die Telekom-Immobiliensparte verkaufte das Gebäude später an den meistbietenden Privatinvestor.
Mit der Zwischenschaltung der GSE gGmbH als Generalmieter, wird ein leistungsfähiger Träger im Auftrag des Landes Berlin tätig, der die vertraglich vorgesehen Mieterhöhungen wirtschaftlich abfangen und sozial verträglich und mit Hilfe von Kulturförderung umlegen kann.
Insider berichten, im rockhouse.berlin stehen in den nächsten Jahren extreme Mieterhöhungen von über 80% an. Der
Quadratmeterpreis soll sogar auf über 21 EUR/Monat ansteigen.

Der Saal des rockhouse.berlin trägt den Musikstandort Lichtenberg
Der Saal des rockhouse.berlin ist als interkulturelle Begegnungsstätte das Herzstück des Proberaumhauses. Das rockhouse.berlin braucht zur kulturellen Entfaltung die hausinterne Möglichkeit, öffentlich Konzerte, Festivals und geschlossene Veranstaltungen realisieren zu können. Zudem eröffnet der Saal die Möglichkeit für unterschiedlichste kulturelle Veranstaltungen.
Der Mieterbeirat ist über die Vertragskündigung sehr besorgt: „Wir kennen die schwierige Situation von Herrn Werfel nur zu gut und haben Verständnis für seinen Entschluss. Gleichzeitig bedauern wir aber seinen Schritt, da er für viele Musiker*innen Freund, Unterstützer und langjähriger Wegbegleiter ist.“

Das rockhouse.berlin ist mit knapp 190 Proberäumen, in denen rund 1.000 Musikerinnen und Musikkünstlerinnen proben und arbeiten, eines der größten Proberaum- und Kulturzentren in Deutschland. Das rockhouse.berlin ist mit seiner Vielfalt auch ein Aushängeschild für die Musik- und Kulturlandschaft in Berlin.

Substanzerhalt und tragfähiges Zukunftskonzept sind gefordert

Das rockhouse.berlin stand 2019 vor dem Aus und konnte nur durch den Einsatz und das Engagement der Mieter*innen und des Kultursenates und des Treuhänders GSE gGmbH gerettet werden.
Der Saal wurde vom jetzigen Betreiber privat technisch komplett ausgestattet und kann auch von den Mietern des rockhouse.berlin zur (kommerziellen) musikalischen Nutzung und für private Veranstaltungen gebucht werden.

Diese Konstellation muss erhalten werden, um den vielfältigen Ansprüchen und Bedürfnissen der Musiker*innen gerecht zu werden. Dazu zählen insbesondere unkomplizierte Möglichkeiten, den Saal weiterhin anzumieten und zu nutzen, und eine gleichbleibende Sicherheit im Gebäude.

Sonst wäre die geplante Einschränkung der Infrastruktur vor dem Hintergrund der steigenden Mieten nicht tragbar!“ äußerte der Mieterbeirat am 13.11.2021.

Weitere Informationen:

https://rockhouse.berlin