Donnerstag, 21. Oktober 2021
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Journalismus in Zeiten der Pandemie

Thema Coronavirus SARS-CoV-2

Von Michael Springer

Der Leiter der Bundeszentrale für Politische Bildungsarbeit Thomas Krüger, hat auf dem European Publishing Congress am 15.6.2021 eine Rede zur Rolle des Lokaljournalismus gehalten:

„Der Lokaljournalismus ist in der Corona-Krise über sich hinausgewachsen.“

Sozialdemokrat Thomas Krüger, vom 11. Januar bis 24. Januar 1991 kommissarischer Oberbürgermeister von Ost-Berlin, und 1991 bis 1994 Senator für Familie und Jugend in Berlin, ist seit dem Jahr 2000 Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung.

Krüger sagte: „Als Bundeszentrale für politische Bildung / bpb liegt uns der Lokaljournalismus als Grundpfeiler unserer Demokratie besonders am Herzen. – Deshalb werde ich heute auch vor allem über ihn sprechen – Umso erfreuter bin ich, dass eben dieser Lokaljournalismus in der Corona-Krise an vielen Orten über sich hinausgewachsen ist und viele Punkte in Sachen Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Relevanz verbuchen konnte.“

Krüger zeigte in dem Vortrag die Vielzahl der Herausforderungen und Stärken von Lokaljournalismus auf, der von vielen Seiten angegriffen wird.

Seine wichtigste Aussage, verdient festgehalten zu werden: „Hier kann ich nur mahnen und warnen: Denn ein Angriff auf (Lokal)-Journalismus ist auch ein Angriff auf die Demokratie. Denn vor allem Lokaljournalismus kann und soll sicherstellen, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger eine Meinung von gesellschaftspolitischen Geschehnissen bilden können. Ist diese Informationsgrundlage nicht gegeben oder wird gestört, ist ein demokratisches Miteinander gefährdet. Diskussion ist nur möglich, wenn es einen „common ground“ an Fakten gibt, die alle anerkennen.“

Die vollständige Rede ist auf der Internetpräsenz der Bundeszentrale für politische Bildung nachzulesen.

Krügers Schlußwort: „Die bpb engagiert sich seit fast 50 Jahren im und für den Lokaljournalismus und das mit gutem Recht. Damals wie heute gilt unser Motto: Je qualitätsvoller der Lokaljournalismus, desto besser die Demokratie. Die lokalen und regionalen Medien sind einer unserer wichtigsten Partner in der politischen Bildung. Heute und in Zukunft!“


Cookiekalypse“ und die tiefe weltweite Systemkrise für den Journalismus & Lokaljournalismus

Der Leiter der Bundeszentrale für Politische Bildungsarbeit schwebte offenbar in einer idealistischen Informations-Blase, denn die sich verschärfende Krise des Zeitungsjournalismus und dessen konkrete technische Krisenursachen, werden von ihm weitgehend ausgeblendet. Das Scheitern der Zeitungsförderung des Deutschen Bundestages in Höhe von 248 Mio. € im Sommer, die vor allem der Print-Zeitungszustellungen zukommen sollte, wurde nicht angesprochen.
In Berlin wurde zu letzt im August 2021 das Berliner Abendblatt eingestellt.

Inzwischen ist die Lage noch dramatischer geworden, denn auch die wichtigste Einnahmequellen im Online-Journalismus brechen gerade mit der „Cookiekalypse“ völlig weg. Nach Adblockern, die 40% der Online-Anzeigen blocken, löst die sehr sinnvolle Datenschutzwende den Einbruch bei „Third-Party-Trackern“ und Online-Anzeigen aus.
Die Haupteinnahmequelle digitaler Zeitungen funktioniert nicht mehr richtig – denn Leser möchten nicht von Tracking-Cookies ausspioniert werden.

In der durch ein Genossenschaftsmodell getragenen taz schrieb Peter Weissenburger schon am 3.5. 2020: „Finanzierung von Journalismus: Zeitung neu denken“:

„Wenn jetzt in der Pandemie die Anzeigenerlöse wegbrechen, dann ist das die radikale Beschleunigung eines Trends, der vor Jahrzehnten begann. Katastrophe im Schnellvorlauf. Anzeigenpreise sinken, andere Medien sind längst attraktiver für Werbende als die Tageszeitung. Das kann und muss beunruhigen, denn ohne diverse Presse in Stadt und Land keine funktionierende Demokratie. Wo nicht zumindest zwei unabhängige Nachrichtenunternehmen konkurrieren, ist Nährboden für Korruption und Apathie.“

Die durch Datenschutz und Schutz digitaler Bürgerrechte sinnvoll und nachhaltg verstärkte „Cookiekalypse“ erfordert nun neue disruptive technologische Konzepte und Antworten, zur Finanzierung von Journalismus und Lokaljournalismus.

Die Lichtenberg-Nachrichten und das eigene „Anzeigensystem“ für Web + Iot + Internet der Sinne sind die ersten Schritte in neue Technologien hinein, die künftig „solargepuffert“ auch bei Stromausfällen funktionieren müssen – und zugleich die Nachrichtenlage über Erdsatelliten aktualisieren können.

Demnächst lesen Sie:
Journalismus in Zeiten der Pandemie – Teil II – wie die Cookiekalypse das Internet verändern wird